5 Tipps zur Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch
Kennst Du diese Szene? Nachdem Du einige Bewerbungen verschickt hast, kommt endlich eine Einladung zu einem Jobinterview. Du freust Dich unglaublich, zerbrichst Dir aber den Kopf darüber, wie Du mit dieser einen Frage umgehen sollst: Der berühmt berüchtigten Gehaltsfrage. Sie bereitet Dir schlaflose Nächte und eine Google Suche gibt auch kein Erfolgsrezept her, wie Du kühn und locker mit dieser Frage umgehen kannst. Das will ich mit diesem Artikel ändern. Denn ich habe Dir 5 Tipps zusammengestellt, die Dir helfen die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch souverän zu meistern.
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Jeder neue Job bringt auch neue finanzielle Chancen mit sich. Aus diesem Grund solltest Du top vorbereitet in ein Bewerbungsgespräch gehen. Denn es gibt nichts Peinlicheres als unangenehme Stille, wenn Du nach Deinen Gehaltsvorstellungen gefragt wirst. Das wirkt weder selbstbewusst noch wirklich vorbereitet.
Jeder Jobsuchende oder Stellenwechsler kennt die Situation: Wenn Du einen Wert sagst, der viel zu hoch ist, verschreckst Du Deinen neuen Arbeitgeber. Setzt Du Dein Wunschgehalt jedoch zu niedrig an, verkaufst Du Dich unter Deinem Wert.
Dieser Wert, also Deine persönliche „Schmerzgrenze“ legt niemand anderes als Du selbst, fest. Sie ist eine Mischung aus branchenüblichem Gehalt und Deiner persönlicher Präferenz und was Du zum Leben brauchst.
Eine Bemerkung am Rande: Ich bin eine Verfechterin von transparenten Gehaltsangaben im Stelleninserat. Was in Österreich Pflicht ist, hinkt in der Schweiz und Deutschland ziemlich hinterher. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Bis das noch nicht zum Standard gehört, kommst Du nicht daran vorbei, Dich mit der Kunst der Gehaltsverhandlung auseinanderzusetzen. Darum lies gleich weiter.
2. Kein Gehalt nennen beim Jobinterview
Ich bin kein Fan davon, dass den Bewerberinnen und Bewerbern der erste Ball zugespielt wird, wenn es um die Gehaltsvorstellung geht. Denn es gibt kein Unternehmen, das nicht schon im Vorfeld eine wage Gehaltsspanne definiert.
Bevor eine Stelle ausgeschrieben wird, klärt entweder die Finanzabteilung oder die Controlling Abteilung, was Budget-mässig für einen weiteren Mitarbeitenden drin liegt.
Deshalb empfehle ich Dir, dass Du keine konkrete Summe oder Spannbreite nennst. Tust Du es, entfällt bei Dir jegliche Verhandlungsbasis. Besser ist es, wenn Du Dir vom Unternehmen ein Angebot machen lässt.
Was sollst Du also antworten, um Deinem Gegenüber den Ball zurückzuspielen, ohne dabei eine Gehaltsangabe zu machen?
Hier zwei Varianten, die Du locker aus dem Ärmel schütteln kannst:
„Im Moment konzentriere ich mich voll und ganz darauf, die Stelle zu finden, die zu meinem Karriereziel am besten passt. Und wenn es Ihre Stelle sein sollte, dürfen Sie mir gerne ein Angebot unterbreiten, welches Sie als angemessen empfinden. Wie hoch Ihr Angebot konkret ist, verraten Sie mir bestimmt gleich, oder?“
Noch ein Beispiel, welches Du Dir ins Gedächtnis prägen kannst:
“Ich bin mir sicher, Sie haben in diesem Unternehmen eine durchdachte Gehaltsstruktur (alternativ: Lohnsystem) und daher bereits eine konkrete Spanne im Kopf. Ich würde mich freuen, wenn wir gleich über diese sprechen könnten.“
Das klingt doch nach einem geschickten, selbstbewussten Statement, oder? Mit dieser Aussage:
Lenkst Du von der Frage im Bewerbungsgespräch ab. So musst Du nicht darauf antworten.
Gelangt der Fokus somit wieder zurück auf das Jobinterview und die freie Stelle.
Wird der Recruiter davon aufgehalten, Dich mit Fragen zum Gehalt zu stressen.
Damit Du dieses Statement aber auch gekonnt und authentisch im Bewerbungsgespräch abliefern kannst, solltest Du Dich, wie eingangs erwähnt, echt gut darauf vorbereiten. Wie Du das konkret machst, erfährst Du in den folgenden 5 Tipps.
3. Die 5 Tipps um im Vorstellungsgespräch souverän Dein Gehalt zu verhandeln
1. Informiere Dich über übliche Gehälter
„Darüber habe ich mir noch nicht gross Gedanken gemacht.“ Ein Satz, den Du unbedingt im Jobinterview vermeiden solltest. Denn er zeigt auf, dass es Dir an Durchsetzungsfähigkeit mangelt und man könnte Dir sogar Desinteresse an der Stelle ankreiden.
Bevor Du also dem Personaler gegenübersitzt und er Dich nach Deinem Wunschgehalt fragt, musst Du vorweg festlegen, was Dir Deine Lebenszeit wirklich wert ist.
Branchenübliche Gehälter herausfinden
Branchenübliche Gehälter herausfinden
Um bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch sattelfest zu sein, musst Du herausfinden, was üblicherweise für diese Position in der Branche bezahlt wird. Recherchiere in Deinem Freundeskreis, oder befrage das Internet. Für sämtliche Berufsfelder findest Du Gehaltsdurchschnittswerte. Vielleicht kennst Du ja sogar jemanden mit der gleichen Jobposition in Deinem beruflichen Netzwerk? Frag sie.
Für die Schweiz gibt es hier die Gehälter im KV-Bereich nach Branche filterbar. Hier findest Du Gehälter in Österreich und Deutschland. Lege vor dem Vorstellungsgespräch bereits Deine persönliche Untergrenze beim Gehalt fest.
Für welchen Betrag auf Deinem Gehaltszettel würdest Du morgens noch gerne aus dem Bett steigen? Bei diesem Betrag darf es für Dich auch keine Verhandlungsbasis geben.
Unter dem Wert verkaufen im Job ist keine Option. Denn längerfristig würdest Du frustriert werden. Die Folge: Du würdest bald innerlich kündigen und Dich nach einem neuen Job umschauen.
Ich möchte Dich aber trotzdem ermuntern darüber nachzudenken, vorausgesetzt es handelt sich inhaltlich um Deinen absoluten Traumjob, zu schauen, ob Du Deine Lebenskosten reduzieren könntest, falls das Angebot unter Deiner Schmerzgrenze liegt.
2. Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch – Welche Fähigkeiten bringst Du ein?
Zur Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch kommt es meistens erst am Ende des Gesprächs mit dem Recruiter. Bis zu diesem Zeitpunkt hattest Du bereits viele Chancen, um Deinen potenziellen Arbeitgeber von Dir zu überzeugen.
Ausserdem bietet die Zeit vor der Frage nach Deiner Gehaltsvorstellung genügend Raum, selbst viele Fragen zu stellen. Erkundige Dich über die Aufgaben und Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle. Lege den Fokus bei den Fragen im Bewerbungsgespräch vor allem auf die Verantwortung im Job, die auf Dich zukommen würde.
Überlege Dir mit ganz konkreten Beispielen, was es bedeutet, diese Verantwortung(en) zu tragen.
Wer ist von dieser Verantwortung abhängig?
Welche Deiner Berufserfahrungen können dazu eingesetzt werden?
Wann in Deiner Karriere hast Du diese Skills bereits eingesetzt?
Was sind Deine Stärken und Fähigkeiten?
Warum bist gerade Du die richtige Person?
Was rechtfertigt den Preis, den das Unternehmen in Form Deines Gehalts, bezahlt?
Bei der letzten Frage, die Du Dir bereits vor dem Vorstellungsgespräch selbst beantworten sollst, sollte es keine Zweifel geben. Umso wichtiger ist es, dass Du Dich schon vor dem Jobinterview genau mit dem Unternehmen auseinandersetzt.
Natürlich gilt das auch für das Stelleninserat. Dort findest Du immer die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten.
Gehalt steigt mit Verantwortung
Generell gilt: je mehr Verantwortung Du trägst, umso mehr verdienst Du. Immerhin hast Du die Recruiter schon so weit überzeugt, dass Du zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurdest. Jetzt geht es darum, Deine Begeisterung über die Stelle nochmals hervorzuheben und Deinen konkreten Deinen Mehrwert zu verdeutlichen.
Betone, dass Du davon überzeugt bist die/der Richtige für den Job zu sein. Zeige auf, dass Deine Leistung jeden Rappen oder Cent wert ist, indem Du die Tragweite Deiner künftigen Aufgaben und Verantwortung im neuen Job nochmals selbst in Worte fasst.
Das schaffst Du, indem Du konkrete Beispiele lieferst oder eine Lösung zu einer bestehenden oder zukünftigen Herausforderung der anvisierten Stelle. Somit baust Du Dein sicheres Fundament für die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch.
3. Verkaufe Dich nicht unter Deinem definierten Wert
Wir tendieren dazu, uns beruflich unter unserem Wert zu verkaufen. Aus Angst, den Job nicht zu bekommen, aus Selbstzweifel oder Unsicherheit. Eine Studie meint, dass das vor allem auf junge Akademiker zutrifft. Das Wort Lohnverhandlung beinhaltet jedoch schon die Info, dass man sich gegenseitig finden muss.
Somit logisch, dass sowohl Recruiter als auch Du als Bewerber:in erstmal ihre eigenen beruflichen Interessen auf den Tisch legen. Dein Wunschgehalt und das Gehalt, das das Unternehmen vorweg definiert hat, kann unterschiedlich sein. Dazwischen liegt die Verhandlungsbasis bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch.
Deshalb: Du kannst tief durchatmen, Selbstvertrauen im Jobinterview zeigen und beim Thema „Gehaltsvorstellung formulieren“ keine Schweissausbrüche bekommen. Denn, Du hast Dich ja bereits informiert, was branchenüblich ist und wo Deine unverhandelbare Schmerzgrenze liegt.
Fragen im Jobinterview als Test
Du hast eine klare Haltung im Bewerbungsgespräch, Fragen sind für Dich Fragen und kein angstauslösender Trigger. Mit dieser inneren Einstellung als Bewerber hast Du das nötige Selbstvertrauen gegenüber dem Personalverantwortlichen. Du kannst die Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch eigentlich auch gleich als Test sehen.
Bei manchen Fragen im Bewerbungsgespräch geht es um mehr als nur um Geld. So auch bei jener nach der Gehaltsvorstellung.
Solltest Du Dich etwa für eine Vertriebsposition oder Stelle im Marketing beworben haben, zeigst Du hier schon mal notwendige berufliche Skills. Dazu gehören Dein Verhandlungsgeschick, Deine Überzeugungskraft und Dein Durchsetzungsvermögen.
4. Uneinigkeit bei Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch
Natürlich kann es auch vorkommen, dass Bewerber und Personaler beim Wunschgehalt keine Übereinstimmung finden. Sprich: Das Bewerbungsgespräch verlief gut, aber was die Entlohnung für den neuen Job angeht, liegen die Zahlen zu weit auseinander.
Manchmal haben Unternehmen auch ein bestimmtes Budget, an dem sie nichts ändern können.
Das Jobinterview war jedoch toll und die offene Stelle klingt nach wie vor passend: Du würdest diesen Job also gerne machen?
Ein neuer Job der Dir wirklich gut gefallen würde? Wenn keine Verhandlungsbasis beim Gehalt mehr besteht, schlage Alternativen vor! Das könnten Leistungen sein, die die Firma den Mitarbeitenden individuell zuspricht.
Dinge, die keinen monetären Wert haben, Dir aber für Deine Lebensqualität wichtig sind. Beispiele dafür sind:
ein Firmenauto
gute Altersvorsorgeleistungen
Fringe Benefits (Fitnessstudiobeiträge etc.)
firmeninterne Kinderbetreuungsplätze
Teilweise Übernahme der Kinderbetreuungskosten
flexible Arbeitszeiten
Homeoffice Möglichkeiten
weniger Arbeitsstunden statt mehr Gehalt
Überlege Dir bereits vor dem Jobinterview, bevor Dir Fragen im Gespräch gestellt werden, von welchen Leistungen im Arbeitsalltag Du neben Deinem Wunschgehalt noch profitieren kannst. Laut einer Studie zählen flexible Arbeitszeiten (90%) zu den Must-haves.
Wenn Du absolut nicht mit Lohnverhandlungen beim Vorstellungsgespräch konfrontiert werden möchtest, hast Du immer noch die Möglichkeit, bereits in Deinen Bewerbungsunterlagen den Gehaltsrahmen festzulegen.
Kein Recruiter wird Dich einladen und Dir ein Lohnangebot unter dem machen, was er in Deiner Bewerbung gelesen hat.
Alternativ kannst Du, sofern keine Gehaltsangabe im Stelleninserat steht, den Personaler anrufen. Es ist nichts Verwerfliches dran, vor Einreichen der Bewerbung das Gehalt anzusprechen. Argumentiere, dass Dir Transparenz wichtig ist und Du gern abschätzen möchtest, ob eine potenzielle Zusammenarbeit realistisch ist.
4. Fazit zu Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch
Unter all den Fragen beim Jobinterview ist die Gehaltsfrage einer der unangenehmsten. Ich verspreche Dir, dass sie mit guter Vorbereitung, Recherche und dem nötigen beruflichen Selbstvertrauen ein Leichtes sein wird.
Wende die Tipps aus dem Beitrag an und Du wirst sehen: Dein beruflicher Wert hat keine Verhandlungsbasis mehr nötig.
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Wie finde ich heraus, was ich mir beim Gehalt wert bin?
Indem Du vor dem Gespräch Deine persönliche Schmerzgrenze festlegst. Diese Untergrenze ist eine Mischung aus branchenüblichem Gehalt und Deiner persönlichen Situation (was Du zum Leben brauchst und was Dir Deine Lebenszeit wert ist).
Warum soll ich im Jobinterview kein Gehalt nennen?
Weil Unternehmen im Normalfall bereits eine Gehaltsspanne im Kopf haben und Du Dir mit einer eigenen Zahl die Verhandlungsbasis nimmst. Besser ist, wenn Du Dir vom Unternehmen ein Angebot machen lässt.
Was kann ich sagen, wenn ich nach meiner Gehaltsvorstellung gefragt werde?
Du spielst den Ball zurück, indem Du Dich auf die passende Stelle fokussierst und um ein Angebot bittest, das das Unternehmen als angemessen empfindet. Alternativ fragst Du nach der internen Gehaltsstruktur und bittest, direkt über die Spanne zu sprechen.
Wie recherchiere ich branchenübliche Gehälter, bevor ich verhandle?
Indem Du im Freundeskreis nachfragst, Dein berufliches Netzwerk nutzt und online Durchschnittswerte für Dein Berufsfeld recherchierst. Ziel ist, dass Du sattelfest bist und Deine Untergrenze vorab definierst.
Wie argumentiere ich in der Gehaltsverhandlung, ohne mich zu verrennen?
Indem Du Dich auf Verantwortung und Anforderungen der Stelle konzentrierst und Deinen Mehrwert mit konkreten Beispielen belegst: Welche Verantwortung trägst Du, welche Erfahrungen und Skills bringst Du ein, und warum rechtfertigt das den Preis, den das Unternehmen mit Deinem Gehalt bezahlt.
Warum soll ich mich nicht unter meinem definierten Wert verkaufen?
Weil Dich ein zu tiefes Gehalt längerfristig frustriert. Die Folge kann sein, dass Du innerlich kündigst und bald wieder einen neuen Job suchst. Deine Schmerzgrenze ist deshalb nicht verhandelbar.
Was, wenn wir beim Wunschgehalt keine Übereinstimmung finden?
Wenn das Budget fix ist, schlägst Du Alternativen vor, die Deine Lebensqualität verbessern können: zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, weniger Arbeitsstunden statt mehr Gehalt, Fringe Benefits oder bessere Altersvorsorgeleistungen.
Wie kann ich Lohnverhandlungen im Vorstellungsgespräch ganz vermeiden?
Indem Du den Gehaltsrahmen bereits in Deinen Bewerbungsunterlagen festlegst. Alternativ kannst Du, wenn im Stelleninserat keine Angaben stehen, vor dem Einreichen der Bewerbung anrufen und das Thema Gehalt mit dem Argument Transparenz ansprechen.
Über Selma Kuyas
Selma Kuyas ist 2-fache LinkedIn Top Voice Expertin für Personal Branding und digitale Sichtbarkeit von Unternehmensinhabern und C-Level Executives. Sie berät Firmen im Aufbau von Corporate Influencer Strategien als Employer Branding Massnahme. Weiter unterstützt sie mir der Karriereformel GmbH, gemeinsam mit Frédéric Mathier Fach- und Führungskräfte in der Karriereplanung.
Selma Kuyas ist gefragte Expertin in bekannten Online Medien wie Spiegel Online, STRIVE Magazin, Handelszeitung, Manager Magazin, SRF, Blick und steht als Keynote Speakerin auf internationalen Bühnen.
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